Es ist Dienstagnachmittag im Wildpark Güstrow. Zwischen Bärengehegen, Vogelrufen, Mäusehäusern und frischer Waldluft treffen heute zwei Gruppen aufeinander, die auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam zu haben scheinen: Eine jahrgangsgemischte Grundschulklasse 3/4 und eine 9. Klasse des Landesförderzentrums mit dem Schwerpunkt „Hören“. Doch sie verbindet ein gemeinsames Ziel – ein Inklusionsprojekt, das Lernen, Kreativität, Sprachförderung, den Umgang mit Medien und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verknüpft.
Die älteren Schüler*innen haben sich in den vergangenen Wochen mit „Tieren in ihrer Umgebung“ beschäftigt und eine Auswahl getroffen. Sie haben recherchiert, beobachtet und sich mit (Fun) Facts zu verschiedenen Tierarten vorbereitet. Heute wird daraus ein echtes Medienprojekt: Gemeinsam mit den jüngeren Schüler*innen sollen Gebärdensprachvideos entstehen. Schon bei der Suche nach dem richtigen Drehort zeigt sich, dass Teamarbeit unabdingbar ist. „Hier ist es zu eng“, merkt eine Schülerin an und schaut sich suchend um. „Und dort ist es zu sonnig“, ergänzt ein Mitschüler. Nach kurzer Abstimmung ist der passende Platz gefunden – ruhig, gut sichtbar und ideal für die Aufnahmen. „Bist du bereit?“ – Es wird heruntergezählt, und die Aufnahmen starten.



Im Zentrum des Unterrichts mit Lernen durch Engagement steht mehr als nur die Vermittlung von (lustigen) Fakten. Die Schüler*innen setzen sich intensiv mit den Lebensweisen der Tiere auseinander und lernen, Informationen in Deutsche Gebärdensprache (DGS) zu übersetzen und darzustellen, zum Beispiel: „Mäuse müssen täglich nagen, weil ihre Zähne ständig wachsen“ oder „Der Luchs hat Pinselohren“. Dabei wird nicht nur Wissen aufgebaut, sondern Sprache neu erlebt – visuell, körperlich und gemeinsam.
Die Klasse 9c übernimmt dabei eine wichtige unterstützende Rolle. Während die Jüngeren Inhalte erarbeiten und in Gebärdensprache umsetzen, kümmern sich die älteren Schüler*innen um Recherche, technische Umsetzung und Videoschnitt. So entsteht ein echtes Miteinander: Die einen bringen frische Neugier und Ausdruckskraft, die anderen Erfahrung im digitalen Arbeiten und vertiefendes Wissen ein.



Während der Mittagspause packt ein Schüler der neunten Klasse ein großes Tablett aus. Er hat Geburtstag und für alle Muffins und Donuts mitgebracht. Für eine kurze Zeit kehrt genüssliche Stille in der motivierten Gruppe ein…
Das Projekt zeigt eindrucksvoll, was Lernen durch Engagement bedeutet: Verantwortung übernehmen, voneinander lernen und gemeinsam etwas schaffen, das über den Unterricht hinaus Wirkung entfaltet.
Am Ende sollen Gebärdensprachvideos entstehen zu ausgewählten Tieren des Wildparks Mecklenburg-Vorpommern und damit auch ein Beitrag zu mehr Inklusion und Barrierefreiheit im öffentlich zugänglichen Raum. Die Videos werden künftig allen Besucher*innen zugänglich gemacht und helfen, den Wildpark für gehörlose Menschen noch erlebbarer zu machen.
Gelernt wird hier mit allen Sinnen; im wahrsten Sinne des Wortes.



Fotos – Erik Swiatloch




