„Jüdisches Leben in Neubrandenburg“

Veröffentlicht am 8. Jul. 2024

Von den Schülerinnen Julia Strübing, Leonie Barthelt und Isabell Christann (8. Klasse, Regionale Schule Mitte „Fritz Reuter“)

Im Schuljahr 2022/23 bekamen wir ein neues Fach namens „Verantwortung“ im Bereich WPU (Wahlpflichtunterricht). Wir haben uns dafür entschieden, weil es darin um ehrenamtliche Arbeit ging.

Ursprünglich wollten wir in den Kindergarten oder in eine Grundschule gehen, konnten aber nichts Passendes finden. Unsere Lehrerin, meinte dann zu uns, sie hat da eine Anfrage. Daraufhin trafen wir Frau Bülow, Koordinatorin für Gedenkarbeit der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg, und sind ins Gespräch gekommen. Gleich beim ersten Treffen starteten wir mit dem Actionbound über das jüdische Leben in Neubrandenburg, um zu schauen, ob uns das Thema gefällt. Actionbound ist eine App, die man sich auf das Handy laden kann, verbunden mit einer Art Quiz. Es macht echt Spaß, braucht aber viel Zeit. Wir haben den Actionbound genutzt, damit wir mehr über das jüdische Leben in der Stadt erfahren.  Wir sind zu den historischen Orten jüdischen Lebens in der Stadt gegangen, überall dorthin, wohin uns der Smartphone-Rundgang führte. An den verschiedenen Stationen lösten wir Aufgaben.

Im Dezember 2022 sind wir dann für unseren ersten Auftrag in die Regionalbibliothek Neubrandenburgs gegangen und haben eine Bücherausstellung gestaltet. Dazu wählten wir Bücher für einen Aufsteller, um auf den 27. Januar, den Internationalen Gedenktag zur Erinnerung an die Opfer des Holocaust, aufmerksam zu machen und zu erinnern. Passend zum Holocaustgedenktag haben wir zudem einen Podcast beim Mediatop Neubrandenburg, dem lokalen Radiosender, aufgenommen. Dabei war ein Ehrengast und zwar Dr. Fabian Schwanzar von der Erinnerungs- und Begegnungsstätte Alt Rehse. Er informierte über den Holocaust erzählt und wir haben im Podcast Bücher aus der Bibliothek zu dem Thema vorgestellt, die wir uns zuvor ausgeliehen hatten. Der Podcast ging sechs Minuten. Es war ein Radiobeitrag zu den Büchern, über den Holocaust und über die frühere Zeit.  

Als wir damit fertig waren, fingen wir an weitere Aktionen zu planen, wie zum Beispiel Grabsteine auf dem Synagogen Platz zu putzen. Zudem wollten wir, dass mehr Leute von unseren Aktionen erfahren. So entstand die Idee, wir könnten ja einen Instagram Account zum jüdischen Leben machen. Nach nur kurzer Zeit hatten wir bereits sehr viele Follower. Bei Instagram haben wir über das jüdische Leben gesprochen und uns mitgeteilt.

Eine besondere Auszeichnung war, dass wir für unser Engagement einen Landespreis gewonnen haben, der alljährlich von der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern, der RAA M-V und der Ländervertretung des Landes M-V beim Bund vergeben wird. Die Preisverleihung war in Schwerin. Es waren 1.000 Euro, die wir bekamen.  

 Nach der Preisverleihung stand bald fest, dass es vom Preisgeld neue Stolpersteinverlegung in Neubrandenburg geben soll. Dazu recherchierten wir zu den Personen, die für Stolpersteinen in Frage kommen und auch im Internet auf verschiedenen Plattformen. Zudem führten wir ein Interview mit einer Angehörigen: Ulrike Krasemann. Sie ist die Enkelin von Paula Perle Krasemann, die in Neubrandenburg bis 1942 lebte, Jüdin war und vor den Repressionen durch die Nationalsozialisten in den Tod flüchtete. Mit dem Mediatop Neubrandenburg nahmen wir im Januar und Februar 2023 einen zweiten Podcast über das jüdische Leben im Allgemeinen und über die Stolpersteine und die Stolpersteinverlegung auf.

Nach unserem Podcast haben wir dann alle 16 Stolpersteine geputzt. Als wir damit fertig waren, überlegten wir uns, wie wir das mit der Verlegung machen. So waren wir beispielsweise in der Seniorenbegegnungsstätte „NeutorTreff“ und fragten dort, ob sie uns einen Tisch leihen könnten, um als Dankeschön für die, die bei der Einweihung der Stolpersteine dabei sind, ein Buffet anbieten zu können. Wir haben Muffins gebacken und eine Limonade gemacht.

Und dann war es soweit: Die Stolpersteinverlegung kam näher und näher und stand schließlich vor der Tür. Es ging los! Wir haben uns die Biographien der jüdischen Personen noch ein letztes Mal durchgelesen. Dann begrüßten wir die Angehörigen, Ulrike Krasemann und ihre Nichte Dina Ramm, die an dem Tag aus Hamburg anreisten. Zunächst hieß Frau Bülow alle herzlich willkommen, dann lasen wir die Biographie von Paula Perle Krasemann vor. Ulrike Krasemann, ihre Enkelin, hatte einen Brief für ihre Großmutter geschrieben. Es war alles sehr emotional. Als wir am Friedrich-Engels-Ring 11 fertig waren, sind wir zur Neutorstraße 5-7 gelaufen, haben die Biographien für Jakob, Regina und Mia Brandwein vorgelesen und damit die Stolpersteinverlegung für sie feierlich begangen. Mia war zum Zeitpunkt ihrer Deportation erst acht Jahre alt. Danach legten wir Blumen und Kerzen nieder. Zum Schluss gab es Muffins und Limonade. Es war ein besonderes Ereignis!

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